Bewerberprüfung, Headhunting
Bewerberüberprüfung
Auswahlprozesse sind härter geworden. Viele Bewerber geraten deswegen in Versuchung, Lebensläufe und Anschreiben schön zu färben. Nach Untersuchungen sind mindestens 20 Prozent der Bewerbungen gefälscht. Auf verantwortlichen Positionen sind solche Mitarbeiter untragbar. Bewerbungen mit gefälschten Zeugnissen sind sogar strafbar. Es handelt sich um eine sogenannte „vorsätzliche arglistige Täuschung“ und kann später ein Kündigungsgrund sein.
Das Risiko einer Fehlentscheidung und die damit verbundenen Kosten lassen sich bereits im Vorfeld reduzieren, indem der engere Bewerberkreis hinsichtlich Qualifikation, Leumund, Vorstrafen, drohende Überschuldung und Wahrheitsgehalt des Lebenslaufes überprüft wird. Häufig fehlen im Unternehmen aber entweder die Erfahrungen oder die personellen Ressourcen, um alle relevanten Bewerber zu prüfen.Gerade bei angeblichen Auslandsaufenthalten, im Ausland erwobenen Doktortiteln oder Diplomen, bei Zeugnissen oder Referenzschreiben können Wirtschaftsdetektive diskret Unwahrheiten entlarven.
Headhunting
Bei der Suche nach Fach- und Führungskräften hat ein Unternehmen in der Regel einen konkreten Anforderungskatalog. Kandidaten mit einem passenden Profil über den klassischen Weg der Anzeige zu finden, ist eher schwierig. Etwa zwei Drittel der offenen Stellen in diesem Bereich werden mittels Personalberatern oder Headhuntern besetzt. Die Vorteile der Beauftragung eines externen Experten wiegen die Kosten wieder auf:
- Diskrete Suche: Möglicherweise will das Unternehmen vermeiden, dass Mitarbeiter, Konkurrenten oder der derzeitige Stelleninhaber von der Suche erfahren.
- Zugriff auf einen erweiterten Kandidatenpool: Personalberater oder Headhunter schlagen auch Kandidaten vor, die nicht aktiv auf Jobsuche sind.
- Branchen-Know-how: Der externe Dienstleister kennt den oft engen Kreis von Spezialisten, die für die Position in Frage kommen und kann diese gezielt und ohne Nennung des suchenden Unternehmens ansprechen.Eine Wirtschaftsdetektei kann nicht nur bei der Suche, sondern auch bei der Überprüfung der Bewerber helfen.
Mitarbeiterüberprüfung
Firmeninternes Know-how ist eines der wertvollsten Güter im Wirtschaftsleben. Kein Unternehmen hat Interesse daran, wertvolles und häufig teuer aufgebautes Wissen zu verlieren. Zugang zu vielen Interna haben in der Regel Mitarbeiter in der mittleren oder gehobenen Führungsebene. Entsteht begründeter Verdacht an mangelnder Loyalität, lassen sich solche Zweifel nicht immer durch persönliche Gespräche ausräumen bzw. ist es nicht immer ratsam. Wirtschaftsdetektive prüfen diskret, ob der fragliche Mitarbeiter Aktivitäten unternimmt, die ihm arbeitsvertraglich untersagt sind. Das Umfeld dieser Mitarbeiter wird auf Kontakte zu Mitbewerbern geprüft. Aktivitäten, welche den Rückschluss auf eine bevorstehende Selbständigkeit – eventuell in der gleichen Branche – zulassen.
Gerichtsentscheidung
Zeugnisfälschung
Hat ein Mitarbeiter eine Stelle aufgrund von gefälschten Zeugnissen erhalten, muss er nach einer Entlassung auch noch Schadensersatz leisten. Das Landesarbeitsgericht in Köln entschied, die aufgewendete Vergütung einschließlich der Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung seien zurückzuzahlen. Der Arbeitgeber müsse sich darauf verlassen können, dass Arbeitszeugnisse der Wahrheit entsprechen.
(LAG Köln, Urteil vom 16.06.2000, Az. 11 Sa 1511/99)
Zeugnisfälschung (2)
Auch wenn ein Mitarbeiter jahrelang unbeanstandet im Unternehmen beschäftigt ist, kann der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag anfechten, wenn sich nachträglich herausstellt, dass der Mitarbeiter die Stelle durch gefälschte Zeugnisse und Urkunden.
(Urteil des LAG Nürnberg vom 24.08.2005, 9 Sa 400/05)

